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Moderation: Friederike Haupt.
Zu
Beginn der Regenzeit landet ein Mann unter dem Namen des Autors in
Addis Abeba, zahlt sein Dreimonatsvisum bar und checkt im ältesten Hotel
auf dem afrikanischen Kontinent ein. Was er dort sucht und wer er
wirklich ist, wandelt sich mit jeder Begegnung. Mal folgt er der
Prophezeiung seines Maja-Horoskops, mal will er der Herausgeber einer
Zeitschrift über das karitative Lebenswerk Karl-Heinz Böhms sein, mal
ist er Suchender, mal Liebeskummergeplagter. Nicht minder unbeständig
und widersprüchlich erweist sich aber, was er in der äthiopischen
Hauptstadt findet – einer Stadt, über die er kaum etwas weiß, in der
sich aber zwischen Wellblechwänden und kolonialen Fassaden, zwischen dem
Tod des Premierministers und himmelseitig verordnetem Hausarrest rasch
ein so faszinierender wie irritierender Sonnenschirm der Eindrücke
aufspannt, dessen Schatten bis in die grässliche Vergangenheit des
Landes reicht.
Joachim Bessing, 1971 in Bietigheim am Neckar geboren, wurde bekannt mit seinen Kolumnen und zahlreichen Büchern, darunter „Tristesse Royale“, „Rettet die Familie!“ und „Untitled“. Er lebt als Autor und Übersetzer in Berlin. Bei Matthes & Seitz Berlin erschien „Bonn. Atlantis der BRD“ (2019) mit Christian Werner.