17-02-2026 (20:00 - 21:30)
Lesung und Gespräch, Moderation: Axel Haase
Musterfrauen oder
hochdekorierte Freiheit? Beengung oder Emanzipation? Anke te Heesens kunstvolle
Vermessung eines faszinierenden Bildmotivs: die Frauen-Zimmer bei Klimt und van
Gogh, Madonna und in der Bauhaus-Werbung.
„500 Pfund im Jahr und ein eigenes Zimmer“, forderte Virginia Woolf zur
Freiheit und Selbstverwirklichung für jede Frau. Zugleich beschränkt die
neuzeitliche Trennung von Privatem und Öffentlichem die Frauen meist auf die
häusliche Sphäre. Seit Ende des 19. Jahrhunderts etabliert sich in der Kunst ein
wundersamer bildlicher Ausdruck dieses Spannungsfeldes zwischen Geborgenheit
und Einsamkeit, Autonomie und Einschluss: Frauen werden in bürgerlichen
Innenräumen vor Mustern inszeniert. Sie sitzen oder liegen dabei vor gereihten
Ornamenten, die auf Tapeten, Vorhänge oder Stoffe appliziert sind. In ihrem
fein gesponnenen, reich bebilderten Essay, der subjektive Faszination und
kulturgeschichtliche Rekonstruktion verknüpft, geht Anke te Heesen diesen
eigentümlich betörenden Bilderwelten nach, in denen oft genug nicht klar ist,
ob Frauen sich den Raum aneignen oder selbst zum Interieur werden. Bilder und
Text verweben sich zu einer einzigartigen Betrachtung von Blicken auf das
weibliche Selbst im Raum und schaffen so eine außergewöhnliche Annäherung an
die Bedingungen weiblicher Lebensformen.
Anke te Heesen lehrt Wissenschaftsgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin. Für ihre Arbeiten wurde sie unter anderem mit dem Wissenschaftspreis der Aby-Warburg-Stiftung ausgezeichnet. Zu ihren Buchveröffentlichungen zählen „Der Weltkasten. Die Geschichte einer Bildenzyklopädie“, „Der Zeitungsausschnitt. Papierobjekt der Moderne“, „Theorien des Museums“ sowie „Revolutionäre im Interview. Thomas Kuhn, Quantenphysik und Oral History“.