Carla Bessa „tage leben“

10-02-2026 (20:00 - 21:30)

Als am 12. Juni 2000 in Rio de Janeiro der vollbesetzte Linienbus 174 überfallen wird, steht die Welt still. Alle Augen sind auf die sich entfaltende Geiselnahme gerichtet, brasilianische wie internationale Medien berichten darüber. Am nächsten Tag, noch während die Hintergründe der Tat langsam Konturen annehmen und das Leben des in Polizeigewahrsam ermordeten Geiselnehmers durchleuchtet wird, nimmt unweit davon ein nicht minder tragisches Verbrechen seinen Lauf: Zwei Männer entführen und ermorden einen Autohändler – ihr Opfer: C., der Bruder Carla Bessas, die in tage, leben den Geschehnissen nachspürt, sie in Beziehung setzt und wenn vielleicht nicht Sinn, so doch Form findet für »zwei leben in zwei tagen / zwei tage / leben«, die lange vor den Junitagen im Jahr 2000 begonnen haben und lange danach immer noch Einfluss nehmen auf dasjenige der Autorin.

Carla Bessa, 1967 in Rio de Janeiro geboren, studierte Schauspiel und lebt seit 1991 als bilinguale Schriftstellerin und Übersetzerin ins Portugiesische (u. a. Ingeborg Bachmann, Max Frisch und Thomas Macho) zwischen Rio und Berlin. Ihr Erzählband Urubus, der im Transit Verlag auch auf Deutsch erschien, wurde 2020 mit dem Prêmio Jabuti und dem Prêmio Literário Biblioteca Nacional ausgezeichnet. tage leben ist ihr erster Roman in deutscher Sprache.

Zurück