Erzählbar: Shelly Kupferberg, Autorin, Journalistin, Moderatorin Im Gespräch mit Lydia Lange

03-05-2026 (17:00)

Ein Kasten mit Silberbesteck blieb den Großeltern, als die jüdische Familie vor den Nazis von Wien nach Palästina floh. Als ihre Enkelin Shelly Kupferberg eine internationale Tagung über NS-Raubkunst und Provenienzforschung moderiert, beginnt sie sich zu fragen: Was waren eigentlich die Besitztümer meiner eigenen Familie? 

Aus ihren Recherchen, den Fotos und den Briefen, die sie auf dem Dachboden ihres Großvaters in Tel Aviv fand, entsteht ihr erstes Buch, „Isidor“. Darin beschreibt sie die Geschichte ihres Wiener Urgroßonkels. Der Lebemann und Kunstsammler, einst beliebt und wohlhabend, wird Opfer der Nazis, er muss seinen ganzen Besitz aufgeben, wird gefoltert und stirbt schließlich entkräftet, bevor er fliehen kann. Das Romandebüt wurde ein Erfolg bei Presse und Publikum und dieses Jahr auch vom Burgtheater Wien adaptiert.

Nun ist Shelly Kupferbergs zweites Buch „Stunden wie Tage“ erschienen. Diesmal führt die detektivische Spurensuche uns in ihre direkte Lebensumgebung, den Schöneberger Crelle-Kietz. Angeregt durch die rätselhafte Frau Martha, die viele Jahre in abgerissener Kleidung und mit langem verfilztem Haar durch die Straßen lief und von der man munkelte, dass sie eine Millionärin und Hausbesitzerin sei, erzählt Shelly die Geschichte zweier couragierter Frauen. Ihr Schicksal ist eng mit einem bestimmten Berliner Mietshaus verbunden. 

In der ErzählBar berichtet Shelly Kupferberg von ihrer Suche nach Marthas wahrer Identität, aber auch von ihrem eigenen Leben und ihren Erfahrungen als deutsch-israelische Jüdin. 

Shelly Kupferberg, geboren 1974 in Tel Aviv, ist in Westberlin aufgewachsen und hat Publizistik, Theater- und Musikwissenschaften studiert. Sie ist Journalistin und moderiert u.a. für ›Deutschlandfunk Kultur‹ und ›RBB radio3‹ Sendungen zu Kultur und Gesellschaft. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin.

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